Autor: admin

  • Error Shift (2017)

    +

    Burn your paper-planes
    it´s all been said
    nurturing the past
    lying dead in bed
    for the last time I say
    I try to perform this trick
    it´s like doing a backflip
    with your face in the sky
    and your feet from the sand
    it´s been done before
    it has all been done
    nevertheless
    even if it´s been done like a million times
  • Bruce Springsteen (2017)

    Als ich noch hot war
    in meinen engen Jeans
    die Welt lag mir zu Füßen
    und grölte zu meinen Liedern
    under Stars and Stripes

    Es waren gute Jahre
    guter Whiskey und ewig Weiber
    ich dachte ich würde
    immerdar
    Bruce on top of the world
    Born in the USA
    die beste Version meiner Selbst sein
    und nun?

    die Hose hängt und hat schon Riss
    und Bruce trägt Toupet
    und Gebiss
  • Meisner, Lukas. Medienkritik ist links. Warum wir eine medienkritische Linke brauchen, Das Neue Berlin 2023, (160 S., Paperback, 16€) (2024)

    In den zwischen 2020 und 2023 für den taz-Blog>Kriterium< entstandenen Essays unternimmt Verf. den Versuch, die emanzipatorische Kritik an Leitmedien und sozialen Netzwerken als notwendige >linke Kernkompetenz< in Erinnerung zu rufen und erneut zu popularisieren.

    Meisners Buch ist am stärksten, wo es sich an medialen Phänomenen der jüngeren Vergangenheit abarbeitet, und Berichterstattung und Kritik an konkreten Beispielen vornimmt. Verf. geht von der Beobachtung aus, dass sich spätestens seit Beginn der 2000er Jahre die >Krise der klassischen Öffentlichkeit< (81) verschärft, was an der zunehmenden Polarisierung im Diskurs um die seitdem maßgeblich massenmedial präsenten Themen unschwer zu erkennen sei. Als Beispiele nennt er den Ukraine-Krieg oder die Coronakrise, welche denn auch die Kritik an der Berichterstattung selbst von ihrem Inhalt losgelöst und dem Pauschalverdacht der rechten Verschwörungstheorie unterstellt habe, indem sie z.B. >das Wort ^Lügenpresse^^ zum Unwort des Jahrzehnts erklären<. >Die Verantwortung so abzuschieben, war und bleibt gefährlich kindisch und spielt politisch mit dem Feuer. Eine absolute Front ist damit hochgezogen worden, die zwei Lager – das des redlichen Establishments und das der volksverhetzenden Verschwörungstheoretiker*innen – in diesem Entweder-Oder überhaupt erst erschuf.< (88)

    Um nicht nur formell eine Wiederaufnahme der Kritik an Medien von >links< zu fordern, grenzt Verf. den Begriff gegen Rechts, Mitte, den Linksliberalismus und mediale Zuschreibungen von außen ab, >die sich am Konstruieren der Phantasmagorie eines Linksrucks beteiligt< haben< (48), und versucht sie als >begrifflich eindeutige Orientierungshilfen politischer Urteilskraft< inhaltlich zu schärfen (13). Es ist allerdings trotzdem nicht immer klar, von welcher der verschiedenen, mal historisch, mal psychologisierend oder qua Parteizugehörigkeit identifizierten Linken gerade die Rede ist, so dass der Versuch einer Aufschlüsselung in neuer Verwirrung aufgeht. Einzig die >neueste Linke, die endlich die Versprechen ihrer Vorgänger*innen, der alten wie der neuen Linken, einlöst, indem sie diese miteinander verkoppelt< (51), ist zweifelsfrei benannt und von den anderen skizzierten Subströmungen zu unterscheiden.

    Starken Nachdruck legt Meisner auf die in der Tradition Didier Eribons sich bewegende Unterstellung, bestimmte Themen dürften den Rechten nicht >überlassen< werden, sonst wähle >das Volk rechts, zwar gegen seine eigenen Interessen, doch ausgestellt als vermeintlich oppositionellen, im Eigentlichen selbstzerstörerischen Denkzettel ans Establishment. Die legitime Wut, die nachvollziehbare Enttäuschung, die Verweigerung der Bürger*innen allerdings ist nicht abzulehnen, sondern links zu besetzen, rational zu fundieren und politisch zu substantialisieren.< (19) Diese Infantilisierung des >Volkes< widerspricht der an anderen Stellen vorgenommenen Forderung, ebenjene nicht gelten zu lassen, da >es allerwenigstens bedenklich bleibt, wie glatt sich manche linksliberale Posaune inzwischen auf Seiten des Bestehenden und seines apologetischen Himmelschors gegen das dunkel aufziehende dumpfe Volk einreiht< (91).

    Schon in der Einführung deutet sich an, dass Meisners Kritik der Medien (der titelgebende Begriff wurde an dieser Stelle noch nicht klar definitorisch eingegrenzt) in Richtung einer Propagandakritik tendiert, die dieser die Fähigkeit zu einer von oben nach unten wirkenden Manipulation von Meinung und Handeln der lenkbaren Massen unterstellt. Sie stützt sich historisch auf die linke Kritik an der demokratiezersetzenden >Massenpsychologie des Faschismus<, welche sich >ohne das Medium des Volksempfängers< und den >Massenkonsumismus des Fordismus< (14) – der seinerseits nicht ohne >die Medienwelt Hollywoods< denkbar ist (14) – nicht hätten durchsetzen können.

    Hierbei zeichnet sich die Schwierigkeit, >Medienkritik< als Einzelphänomen kritischen Denkens einerseits solitär zu betrachten, andererseits leicht verdaulich in eine historische gesellschaftliche Entwicklung zu sortieren, besonders deutlich ab, da eine Hierarchisierung oder Einordnung der Wirkmacht von >Medien< und ihrer Verbreitung im Vergleich und Zusammenspiel mit anderen Werkzeugen der Durchsetzung von Herrschaft nicht ausgeführt wird.

    Es folgen Kapitel, in denen eine Gegenrede zur Fragmentierung und Spaltung der Linken und die Erinnerung an gemeinsame Interessen unternommen wird. Ausgangspunkt und Fundament bildet hierbei die urlinke Überzeugung >der Mensch ist gut< (hier nach Merleau-Ponty). Leider geraten Darstellungen der verschiedenen Phänomene, z.B. das der >(un-)sozialen Medien< (127) oder Marx als >Pionier des ökologischen Denkens< (70) analytisch etwas kurz zugunsten des Appells an die >Interessenvertretung der 99%< als >Aufgabe der neuesten Linken< (56). Zugegebenermaßen ist diese Form der Polemik eine rhetorische Praxis, die Verf. ausdrücklich verteidigt.

    Insgesamt mag das Buch als Einstieg in ein Verständnis der Rolle von Medien für die Öffentlichkeit dienen und als Stichwortgeber zur weiteren Selbstbeschäftigung anregen. Der Versuch, wieder etwas Struktur in jahrzehntealte innerlinke Grabenkämpfe und Animositäten zu bringen, um Kräfte zu bündeln und gemeinsam eine fundierte Kritik am schlechten Bestehenden zu üben, ist sicherlich löblich, allerdings weist die Zusammenfassung durchaus Lücken auf. Vor allem bleibt der gegenwärtige Zustand der >Linken< unterbelichtet und der Beurteilung der schon Eingeweihten vorbehalten. Es drängt sich der Verdacht auf, dass das vorliegende Werk in seiner ursprünglichen Form, als einzelne mehr oder weniger tagesaktuelle Essays und Kommentare zur medialen Landschaft, besser funktioniert hat denn in seiner Zusammenfassung als Buch.

  • Das Loch (2014)

    Als ich letztes Mal durch Leipzig ging

    fiel ich in ein Loch

    der ganze Körper steckte drin

    der Kopf guckt raus

    noch

    Jetzt muss ich mich entscheiden

    für den einen oder anderen Weg

    raus; den anderen hinterher

    oder abtauchen, gucken was da geht

    Ich springe rein

    und wühle mich durchs dunkle Nass

    irgendwo muss doch ein Ausgang sein

    Da! Ein Licht am Ende des Tunnels

    ich tauche auf und sehe seltsam anmutende

    Gestalten

    Ihr Handeln wird mir nicht ganz klar

    doch sie scheinen sich dabei gut zu unterhalten

    ich möchte einer von ihnen sein…

  • untitled (2014)


    a tender blow
    runs through my sight
    getting distracted
    once in a while
    I look at the flowers
    grow in my mind
    sometime´s a blooming
    tears me inside
    all of a sudden
    time lost my track
    I see myself wander
    through a dark swamp
    countless tiny shivers
    everything´s fine
    please do not call me
    I´m not at all here
    bliss is my seeking
    knowledge unwound
    I travel the layers
    once in a while
    what looks like a heartache
    is all that I am
    endangered but humbling
    cutting a curve
    society taught me
    to hide all my ticks
    to move in the shadow
    and summon my gods
  • Die Geister die ich rief (2019)

    schweben nun in meiner Peripherie
    immer sind sie mir nah
    und dennoch durchlässige Phantasmen
    manchmal hallen meine
    eigenen Worte
    transzendentes Echo
    aus ihrer Welt hinter den Spiegeln
    in Fragmenten zu mir zurück
    und ich rief
    und ich rufe:
    "Zeigt euch!"
    "Schluss mit dem Gehusche!"
    "Nehmt Gestalt an!"
    Doch sie klimpern nur vieldeutig ihre Ketten
    und verschwinden im Zwielicht.
    (2019)
  • Gelbe Katze (2019)

    Gesenkten Hauptes
    auf fahrendem Grund
    dem eigenen Element enthoben
    auf dem Binnenschiff
    willst schaufeln
    Berge errichten/ versetzen
    doch du
    hydraulische gelbe Katze
    Diesel, Hub
    11.000 Tonnen
    schipperst im Kanal
    und träumst
    (2019)
  • Hveravellir (2019)

    Blick vom Rjúpnafell in Hveravellir

    Es ist der 01.08.2019, 11:54 und ich sitze auf der Spitze des Rjúpnafell. Allein. Es ist unbeschreiblich schön.

    Auf dem Hinweg zum Hühnerberg bin ich an einem in gemächlichen Schlangenlinien durch die isländische Graslandschaft fließenden Bach entlang gelaufen, exakt der nur so genau wie gerade eben nötig erfolgten Wegbeschreibung meines Unimogfahrers Snorri folgend. Ich bewanderte den kleinen Fluss bis zu einem See, in dem eine Schwanenfamilie, zwei Erwachsene Schwäne und drei flaumige Kinder, schwammen, und prägte mir die Anzahl gemäß meines Auftrages ein, um sie Snorri später zu berichten.

    Von dort aus setzte ich meinen Weg durch die sich nun in eine zunehmend steinige, an einen Godzilla-Film aus den 50er Jahren erinnernde Landschaft, immer grob in Richtung des linken, zu dieser Seite hin gemächlich abfallenden Ausläufers des Berges fort. Ich erreichte dessen Fuß erstaunlich schnell und begann mit dem Aufstieg. Zwei oder dreimal hatte ich das Gefühl, kurz vor dem Gipfel angekommen zu sein, nur um dann festzustellen, dass es sich lediglich um eine Erhöhung auf dem Weg dorthin handelte, der immer noch weitere folgen sollten.

    Nachdem ich kurz überlegt hatte, abzubrechen, entschied ich mich doch dagegen und schaffte es tatsächlich bis zum höchsten Punkt der eigentümlichen Erhebung. Oben bot sich bis auf das Pfeifen des Windes absolute Stille und ein atemberaubender Ausblick auf die sich bis zum Horizont erstreckende vulkanische Wüste und den Þórisvatn, einen See auf der Rückseite des Berges. Ich gab mich dort kurz in meiner Entrücktheit der Illusion hin, etwas ganz Eigenes und Erhabenes geschafft zu haben, und befolgte dann erneut genau Snorris Ratschlag, indem ich mich nicht auf den gleichen Rückweg den ich gekommen war begab, sondern mitten durch das Lavafeld. Nach einer anstrengenden Weile durch scharfkantiges Geröll und Steine vulkanischen Ursprungs, eingebettet in Sand, welcher unter meinen Füßen nachgab, fand ich wie versprochen einen Abschnitt, in dem die Steine mit weichem Moos bewachsen waren, so das ich mich hervorragend gemütlich auf ihnen betten und eine Weile in den klaren, sonnigen Polarhimmel schauen konnte, meine Stille nun nicht einmal mehr vom Wind gestört.

    Nachdem ich etwas gerastet und Mikro- und Makrokosmos angemessen bewundert hatte, trat ich den Rest des Heimweges durch ulkige Sprünge von Stein zu Stein an, den Sandboden meidend, und musste dabei in einem Anflug leicht erschöpfter Albernheit schmunzeln, weil ich das Spiel insgeheim „der Boden ist Lava“ nannte, obwohl ich dann genau gegenteilig hätte hüpfen müssen.

  • Im Heim

    Im Heim

    Im Heim meiner Mutter, dem Zuhause, in dem sie nun seit fast 20 Jahren lebt, geschieht alles sehr langsam.

    Ich sitze mit ihr am Mittagstisch, ein Platzkärtchen weist die Stirnseite des dunklen Holztisches, ohne Stuhl, denn mit dem fährt sie ja rum, als den ihren aus.

    Mama schiebt mit ihrem liebsten kleinen Teelöffel mit dem schwarzen Plastikgriff flach auf dem Teller mit Spirelli in Spinat-Käse-Sauce herum, bis eine oder zwei der Nudeln darauf landen.

    Mit allerhöchster Aufmerksamkeit und Konzentration, das Löffelchen so fest umklammert, dass das weiße ihrer dünnen Knöchel zu sehen ist, führt sie nun die erbeutete Portion zitternd in Richtung ihres Mundes.

    Und es klappt! Diesmal landen beide Nudeln drinnen und es gilt, die nächste Aufgabe des Vorganges “Mittagessen” zu meistern: Kauen und Schlucken ohne sich zu verschlucken.

    Durch Jahre von Missgeschicken und Atemnotsanfällen habe ich gelernt, mich in dieser Phase besonders still zu verhalten, nicht gerade jetzt eine Frage zu stellen oder etwas zu sagen, was irgendwie zum Lachen im falschen Moment anregen könnte.

    Es ist eine Yogaübung, wenn man so will:

    Einen langsam ausgeführten, alltgäglichen Vorgang miterleben, ohne unnötig einzugreifen oder Stress zu verbreiten, die Gemächlichkeit und Abwesenheit von Spektakel ertragen und auch die dazugehörige, teils minutenlange Stille.

    Dieser Ort, das Heim meiner Mutter, ist ein surrealer. Menschen mit verschiedenen Graden von Einschränkungen fahren mit ihren E-Rollis durch die Gänge oder werden geschoben, Besuch erhält meist neugierige Aufmerksamkeit und zuweilen auch unverblümte Fragen, es werden regelmäßig Geschichten vorgelesen, gemeinsam gespielt, gegessen und Kaffee getrunken.

    Wie eine große, etwas eigentümliche WG.

    Ich habe mich lange unwohl gefühlt in diesem Mikrokosmos, jede Bewohnerin eine Erinnerung an die Krankheit meiner Mutter, ein ständig schlechtes Gewissen, Berührungsängste und Hoffnungslosigkeit ob des unumkehrbaren Fortschreitens der multiplen Sklerose, zudem auch die Depression meiner Mutter ob ihres Zustandes, es war mir kaum erträglich hinzufahren und eine Stunde dort zu verweilen, und es gab keinen Besuch ohne Tränen ihrerseits.

    Mag es nun der plötzliche und dramatische Krankenhausaufenthalt aufgrund einer Lungenentzündung gewesen sein, der neuen Lebenswillen in ihr entflammt hat, oder auch mein Schrecken, der in mir eine neue Wertschätzung und einen anderen Bezug zum Leben meiner Mutter ausgelöst hat, aber diese Zeiten sind scheinbar für den Moment vorbei.

    Ich setze mich ganz behaglich und ruhig mit zum Essen, oder Vorlesen oder Kniffeln, beobachte, wie sich die Situation jeweils in gediegenem Aki Kaurismäki- Tempo entfaltet, spreche ein bisschen mit meiner Mutter über dieses und jenes, ohne mich an die Notwendigkeit eines roten Fadens klammern zu müssen oder besondere komödiantische Einlagen zu versuchen, um die Stille zu minimieren.

    Sie ist da, diese Stille, und sie ist gut gnädig und darf mit uns hier sein.

    Wir haben einen entspannten und unaufgeregten Ablauf miteinander, der meistens mit einem Kapitel vorlesen, während sie schon im Bett liegt und manchmal wegschlummert, endet.

    Und ich gehe mit einem guten und dankbaren Gefühl und ohne nagende Zweifel und Schmerzen wieder nach Hause.

    Manchmal muss einem vielleicht die ganze eh schon verwirrende Scheiße ordentlich um die Ohren fliegen, um schätzen zu können, was an Frieden und Schönheit man eigentlich vorher darin gehabt hat.

  • Über das Küchenleben

    Der klassische Koch beginnt sein Leben bestenfalls 5 Minuten vor Schichtbeginn umgezogen in der Küche.

    In den allermeisten Fällen gelingt dies über einen längeren Zeitraum nur den Getriebenen, es treibt oder zieht sie zu den Sternen, oder vielleicht war die Getriebenheit auch schon vor dem Ziel da, und der Wunsch sich als Sternekoch um Herz und Verstand zu bringen wurde nachträglich hinzugefügt, weil er eben zufällig eh sehr bruchlos zum ohnehin vorhanden Habitus passte.

    Die Nicht-Ganz-So-Getriebenen werden in aller Regel nach wenigen Wochen in Lehre oder Überstunden etwas nachlässiger was Pünktlichkeit oder akkurate Berufskleidung angeht und erscheinen entweder mit minutenlangem Verzug oder in den gleichen Klamotten, wie am Tag oder der ganzen Woche zuvor, Spuren des letzten Unfalles mit Pürierstab und Tomatensauce als stumm dem Arbeitsalltag in der Küche zeugende Abzeichen am Revers. Andere über die Zeitspanne der Arbeitswoche oder des Monats oder Lebens (diese Grenzen verschwimmen im immerwährenden, gnadenlosen Küchenbeat, zum täglichen und nächtlichen, auch am Wochenende nicht schweigenden Imperativ der Bonmaschine tanzend) mögliche Accessoires sind dreckige und verkohlte Touchons, fehlende Knöpfe, Schnitt- und Brandverletzungen und in jedem Fall immer größer werdende Augenringe.

    Einer der für mich einprägsamsten Vertreter dieser Art von Köchen bin ich in meinem dritten Lehrjahr in einer Hotelküche begegnet: er trug stets in seiner laufenden Arbeitswoche die immergleiche schwarze Arbeitshose, und da er die Angewohnheit hatte, seine schmutzigen Hände mit der Fläche am Po selbiger, den Gesäßtaschen, abzuwischen, zeugte eine täglich größer werdende, farbenfrohe Kruste aus allerlei verschiedenen Lebensmitteln auf seinem Allerwertesten davon, wie weit sein nächster freier Tag noch entfernt sein mochte.

    Es ist retrospektiv nicht zu bestreiten, dass sekundäre Tugenden wie Sauberkeit, Pünktlichkeit und Zurechnungsfähigkeit in den allermeisten Fällen meiner ehemaligen Kolleg*innen auch Aufschluss über die Genauigkeit und Qualität ihrer Kochkünste zu geben vermochten.

    Sowohl meine erste Küchenchefin als auch alle darauf folgenden Küchen- und Souschefs waren ordentliche und disziplinierte Kunsthandwerker mit vortrefflicher Geschmackssicherheit, Liebe fürs Detail und überschaubarem bis nicht vorhandenem Privatleben.