Autor: krater

  • Zeta (2018)

    Und ob ich denn zahnte,
    ich zankte keinen Zwist!
    Zugeworfen wurden mir zenterschwere
    Zaghaftigkeiten, die ich sogleich
    zerspante wie zickiges Zement.
    Zugleich zerfaserte mir von der Zirbeldrüse her die Zeit.
    Zäh wie Tsatsiki zögerte ich-
    zwinkernd zog mich der
    Zeitgeist zu sich in den Zuber.
  • Lichtschein (2017)

    Ein wenig eingeknuspert
    zeitlos
    und raumeinnehmend.
    Kausalität glimmt warm oben an der Stirrn.
    Strahlt.
    Zweifel knistert, fräßt, nagt.
    Wonne deckt, schmeichelt, flauscht.
    Wut rennt, schnaubt, stößt.
    Hoffnung haucht, scheint, zirkuliert.
    Angst zwickt, blitzt, zuckt.
    Trauer tropft, hängt, bauscht.
    Lust dampft, spuckt, reißt.
    Sehnsucht zieht, oszilliert, spielt.
    Hass verdunkelt, pocht, traktiert.
    Macht glänzt, fordert, herrscht.
    Wahrheit atmet, spektriert, ballert.
  • Angst (2017)

    Ist es die Angst
    oder die Langeweile
    ist sie begründet
    auf jeden Fall völlig egal
    Verantwortung ohne
    Optionen besser zu denken
    Schraubstöcke, Fahrradhelme, Hashtags
    X O X O
    chiffriert mein Verlangen
    in dummer Performance
    die Rollen vergeben
    ohne Casting
    i´d like to get fired
    egal von wem
    Einer sag Schluss!
    schnall mich an
    ich raste aus ich raste aus ich raste aus
    Ronny on the run
  • Die Zeit ist wie Kleister (2017)

    klebrig verschleimt
    meine ist´s und so
    kann ich nur hier sitzend
    warten
    wie sie zäh verstreicht
    für ein karges Auskommen
    in dieser Welt voller Dinge
    deren Erheischung
    mir wärmstens angeraten ist
    um das dumpfe Pochen
    im Schädel zu vergessen
  • Error Shift (2017)

    +

    Burn your paper-planes
    it´s all been said
    nurturing the past
    lying dead in bed
    for the last time I say
    I try to perform this trick
    it´s like doing a backflip
    with your face in the sky
    and your feet from the sand
    it´s been done before
    it has all been done
    nevertheless
    even if it´s been done like a million times
  • Bruce Springsteen (2017)

    Als ich noch hot war
    in meinen engen Jeans
    die Welt lag mir zu Füßen
    und grölte zu meinen Liedern
    under Stars and Stripes

    Es waren gute Jahre
    guter Whiskey und ewig Weiber
    ich dachte ich würde
    immerdar
    Bruce on top of the world
    Born in the USA
    die beste Version meiner Selbst sein
    und nun?

    die Hose hängt und hat schon Riss
    und Bruce trägt Toupet
    und Gebiss
  • Meisner, Lukas. Medienkritik ist links. Warum wir eine medienkritische Linke brauchen, Das Neue Berlin 2023, (160 S., Paperback, 16€) (2024)

    In den zwischen 2020 und 2023 für den taz-Blog>Kriterium< entstandenen Essays unternimmt Verf. den Versuch, die emanzipatorische Kritik an Leitmedien und sozialen Netzwerken als notwendige >linke Kernkompetenz< in Erinnerung zu rufen und erneut zu popularisieren.

    Meisners Buch ist am stärksten, wo es sich an medialen Phänomenen der jüngeren Vergangenheit abarbeitet, und Berichterstattung und Kritik an konkreten Beispielen vornimmt. Verf. geht von der Beobachtung aus, dass sich spätestens seit Beginn der 2000er Jahre die >Krise der klassischen Öffentlichkeit< (81) verschärft, was an der zunehmenden Polarisierung im Diskurs um die seitdem maßgeblich massenmedial präsenten Themen unschwer zu erkennen sei. Als Beispiele nennt er den Ukraine-Krieg oder die Coronakrise, welche denn auch die Kritik an der Berichterstattung selbst von ihrem Inhalt losgelöst und dem Pauschalverdacht der rechten Verschwörungstheorie unterstellt habe, indem sie z.B. >das Wort ^Lügenpresse^^ zum Unwort des Jahrzehnts erklären<. >Die Verantwortung so abzuschieben, war und bleibt gefährlich kindisch und spielt politisch mit dem Feuer. Eine absolute Front ist damit hochgezogen worden, die zwei Lager – das des redlichen Establishments und das der volksverhetzenden Verschwörungstheoretiker*innen – in diesem Entweder-Oder überhaupt erst erschuf.< (88)

    Um nicht nur formell eine Wiederaufnahme der Kritik an Medien von >links< zu fordern, grenzt Verf. den Begriff gegen Rechts, Mitte, den Linksliberalismus und mediale Zuschreibungen von außen ab, >die sich am Konstruieren der Phantasmagorie eines Linksrucks beteiligt< haben< (48), und versucht sie als >begrifflich eindeutige Orientierungshilfen politischer Urteilskraft< inhaltlich zu schärfen (13). Es ist allerdings trotzdem nicht immer klar, von welcher der verschiedenen, mal historisch, mal psychologisierend oder qua Parteizugehörigkeit identifizierten Linken gerade die Rede ist, so dass der Versuch einer Aufschlüsselung in neuer Verwirrung aufgeht. Einzig die >neueste Linke, die endlich die Versprechen ihrer Vorgänger*innen, der alten wie der neuen Linken, einlöst, indem sie diese miteinander verkoppelt< (51), ist zweifelsfrei benannt und von den anderen skizzierten Subströmungen zu unterscheiden.

    Starken Nachdruck legt Meisner auf die in der Tradition Didier Eribons sich bewegende Unterstellung, bestimmte Themen dürften den Rechten nicht >überlassen< werden, sonst wähle >das Volk rechts, zwar gegen seine eigenen Interessen, doch ausgestellt als vermeintlich oppositionellen, im Eigentlichen selbstzerstörerischen Denkzettel ans Establishment. Die legitime Wut, die nachvollziehbare Enttäuschung, die Verweigerung der Bürger*innen allerdings ist nicht abzulehnen, sondern links zu besetzen, rational zu fundieren und politisch zu substantialisieren.< (19) Diese Infantilisierung des >Volkes< widerspricht der an anderen Stellen vorgenommenen Forderung, ebenjene nicht gelten zu lassen, da >es allerwenigstens bedenklich bleibt, wie glatt sich manche linksliberale Posaune inzwischen auf Seiten des Bestehenden und seines apologetischen Himmelschors gegen das dunkel aufziehende dumpfe Volk einreiht< (91).

    Schon in der Einführung deutet sich an, dass Meisners Kritik der Medien (der titelgebende Begriff wurde an dieser Stelle noch nicht klar definitorisch eingegrenzt) in Richtung einer Propagandakritik tendiert, die dieser die Fähigkeit zu einer von oben nach unten wirkenden Manipulation von Meinung und Handeln der lenkbaren Massen unterstellt. Sie stützt sich historisch auf die linke Kritik an der demokratiezersetzenden >Massenpsychologie des Faschismus<, welche sich >ohne das Medium des Volksempfängers< und den >Massenkonsumismus des Fordismus< (14) – der seinerseits nicht ohne >die Medienwelt Hollywoods< denkbar ist (14) – nicht hätten durchsetzen können.

    Hierbei zeichnet sich die Schwierigkeit, >Medienkritik< als Einzelphänomen kritischen Denkens einerseits solitär zu betrachten, andererseits leicht verdaulich in eine historische gesellschaftliche Entwicklung zu sortieren, besonders deutlich ab, da eine Hierarchisierung oder Einordnung der Wirkmacht von >Medien< und ihrer Verbreitung im Vergleich und Zusammenspiel mit anderen Werkzeugen der Durchsetzung von Herrschaft nicht ausgeführt wird.

    Es folgen Kapitel, in denen eine Gegenrede zur Fragmentierung und Spaltung der Linken und die Erinnerung an gemeinsame Interessen unternommen wird. Ausgangspunkt und Fundament bildet hierbei die urlinke Überzeugung >der Mensch ist gut< (hier nach Merleau-Ponty). Leider geraten Darstellungen der verschiedenen Phänomene, z.B. das der >(un-)sozialen Medien< (127) oder Marx als >Pionier des ökologischen Denkens< (70) analytisch etwas kurz zugunsten des Appells an die >Interessenvertretung der 99%< als >Aufgabe der neuesten Linken< (56). Zugegebenermaßen ist diese Form der Polemik eine rhetorische Praxis, die Verf. ausdrücklich verteidigt.

    Insgesamt mag das Buch als Einstieg in ein Verständnis der Rolle von Medien für die Öffentlichkeit dienen und als Stichwortgeber zur weiteren Selbstbeschäftigung anregen. Der Versuch, wieder etwas Struktur in jahrzehntealte innerlinke Grabenkämpfe und Animositäten zu bringen, um Kräfte zu bündeln und gemeinsam eine fundierte Kritik am schlechten Bestehenden zu üben, ist sicherlich löblich, allerdings weist die Zusammenfassung durchaus Lücken auf. Vor allem bleibt der gegenwärtige Zustand der >Linken< unterbelichtet und der Beurteilung der schon Eingeweihten vorbehalten. Es drängt sich der Verdacht auf, dass das vorliegende Werk in seiner ursprünglichen Form, als einzelne mehr oder weniger tagesaktuelle Essays und Kommentare zur medialen Landschaft, besser funktioniert hat denn in seiner Zusammenfassung als Buch.

  • Das Loch (2014)

    Als ich letztes Mal durch Leipzig ging

    fiel ich in ein Loch

    der ganze Körper steckte drin

    der Kopf guckt raus

    noch

    Jetzt muss ich mich entscheiden

    für den einen oder anderen Weg

    raus; den anderen hinterher

    oder abtauchen, gucken was da geht

    Ich springe rein

    und wühle mich durchs dunkle Nass

    irgendwo muss doch ein Ausgang sein

    Da! Ein Licht am Ende des Tunnels

    ich tauche auf und sehe seltsam anmutende

    Gestalten

    Ihr Handeln wird mir nicht ganz klar

    doch sie scheinen sich dabei gut zu unterhalten

    ich möchte einer von ihnen sein…

  • untitled (2014)


    a tender blow
    runs through my sight
    getting distracted
    once in a while
    I look at the flowers
    grow in my mind
    sometime´s a blooming
    tears me inside
    all of a sudden
    time lost my track
    I see myself wander
    through a dark swamp
    countless tiny shivers
    everything´s fine
    please do not call me
    I´m not at all here
    bliss is my seeking
    knowledge unwound
    I travel the layers
    once in a while
    what looks like a heartache
    is all that I am
    endangered but humbling
    cutting a curve
    society taught me
    to hide all my ticks
    to move in the shadow
    and summon my gods
  • Die Geister die ich rief (2019)

    schweben nun in meiner Peripherie
    immer sind sie mir nah
    und dennoch durchlässige Phantasmen
    manchmal hallen meine
    eigenen Worte
    transzendentes Echo
    aus ihrer Welt hinter den Spiegeln
    in Fragmenten zu mir zurück
    und ich rief
    und ich rufe:
    "Zeigt euch!"
    "Schluss mit dem Gehusche!"
    "Nehmt Gestalt an!"
    Doch sie klimpern nur vieldeutig ihre Ketten
    und verschwinden im Zwielicht.
    (2019)