Hveravellir (2019)

Blick vom Rjúpnafell in Hveravellir

Es ist der 01.08.2019, 11:54 und ich sitze auf der Spitze des Rjúpnafell. Allein. Es ist unbeschreiblich schön.

Auf dem Hinweg zum Hühnerberg bin ich an einem in gemächlichen Schlangenlinien durch die isländische Graslandschaft fließenden Bach entlang gelaufen, exakt der nur so genau wie gerade eben nötig erfolgten Wegbeschreibung meines Unimogfahrers Snorri folgend. Ich bewanderte den kleinen Fluss bis zu einem See, in dem eine Schwanenfamilie, zwei Erwachsene Schwäne und drei flaumige Kinder, schwammen, und prägte mir die Anzahl gemäß meines Auftrages ein, um sie Snorri später zu berichten.

Von dort aus setzte ich meinen Weg durch die sich nun in eine zunehmend steinige, an einen Godzilla-Film aus den 50er Jahren erinnernde Landschaft, immer grob in Richtung des linken, zu dieser Seite hin gemächlich abfallenden Ausläufers des Berges fort. Ich erreichte dessen Fuß erstaunlich schnell und begann mit dem Aufstieg. Zwei oder dreimal hatte ich das Gefühl, kurz vor dem Gipfel angekommen zu sein, nur um dann festzustellen, dass es sich lediglich um eine Erhöhung auf dem Weg dorthin handelte, der immer noch weitere folgen sollten.

Nachdem ich kurz überlegt hatte, abzubrechen, entschied ich mich doch dagegen und schaffte es tatsächlich bis zum höchsten Punkt der eigentümlichen Erhebung. Oben bot sich bis auf das Pfeifen des Windes absolute Stille und ein atemberaubender Ausblick auf die sich bis zum Horizont erstreckende vulkanische Wüste und den Þórisvatn, einen See auf der Rückseite des Berges. Ich gab mich dort kurz in meiner Entrücktheit der Illusion hin, etwas ganz Eigenes und Erhabenes geschafft zu haben, und befolgte dann erneut genau Snorris Ratschlag, indem ich mich nicht auf den gleichen Rückweg den ich gekommen war begab, sondern mitten durch das Lavafeld. Nach einer anstrengenden Weile durch scharfkantiges Geröll und Steine vulkanischen Ursprungs, eingebettet in Sand, welcher unter meinen Füßen nachgab, fand ich wie versprochen einen Abschnitt, in dem die Steine mit weichem Moos bewachsen waren, so das ich mich hervorragend gemütlich auf ihnen betten und eine Weile in den klaren, sonnigen Polarhimmel schauen konnte, meine Stille nun nicht einmal mehr vom Wind gestört.

Nachdem ich etwas gerastet und Mikro- und Makrokosmos angemessen bewundert hatte, trat ich den Rest des Heimweges durch ulkige Sprünge von Stein zu Stein an, den Sandboden meidend, und musste dabei in einem Anflug leicht erschöpfter Albernheit schmunzeln, weil ich das Spiel insgeheim „der Boden ist Lava“ nannte, obwohl ich dann genau gegenteilig hätte hüpfen müssen.

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