Schlagwort: poetry

  • Ich bin ich, ich bin einfach ich selber and that´s alright (08/26)

    nur im tun nur im machen
    bin ich kurz bruchlos ich
    und auch wieder nicht
    ich bin ja gar nicht da
    aber auch kein anderer ja

    bin nichts als kalter rauch
    und verhallter schall
    trag die maske wie´s braucht
    trete auf mit´nem knall

    spiegel deiner begierden
    du mein narziss´
    und ich
    möchte wieder hinab
    ins nass zu den sirenen
  • Die komische Schelle (08/26)

    Kolossaler Grottenschrat!
    
    Abstrakter Geliebter im Dickicht der Worte
    Aus dem Urwortdschungel
    Trennt deine goldene Machete 
    assoziiative Äste am entlegensten Orte.
    
    Die Sonne im Oswald geht rotleuchtend unter
    am Horizont deiner Schriften
    werden Glühwörtchen munter.
    
    Lass den Schatten des Olmes
    auf die Höhlenwand geh´n
    Wittgenstern fahl beleuchtet-
    das Gespenst der Ideen.
    
    Die poetische Panther lauert in Schachtelsatzen
    die Klauen scharfe Bleistiftspitzen
    an den weich behaarten Tatzen;
    
    und nur die schwarzen Augen blitzen.
  • Allergie (08/26)

    Dein Jucken, unerträglich beweglich
    durch alle Schichten meiner Nasenschleimhaut
    das ganze knollige Riechorgan erobernd
    zieht sich von der Spitze der Nase bis zum dritten Auge;

    Eh schon zuckend, zwinkernd
    bist du, Geliebter: feinster Tropenholzstaub
    eigentümlicher Wuchs so ganz ohne die Zeit fragmentierende Ringe
    schweigend kriechend bis in die feinsten Verzweigungen
    fluten die Partikel zunächst Nucleus accumbens, Amygdala
    der präfrontale Cortex schlummert, Ajna geschlossen
    nur ein bisschen noch und es berstet mein Nieser
    ins Klopapier.

    Ich bin explodiert und hellwach.
  • Stiller Moment (05/2026)

    Brutal zerschneidet lärmendes Auftauchen
    eines kleinen hässlichen Motorbootes mit Deutschlandfahne
    meinen stillen Moment am Seitenarm des Kanals.

    Zwei haarige weiße Beine staken
    wie auf der Hundedecke gewendeter Lehmteig
    aus der Freizeithose am Steuer.

    Vorn, im rosa Takko- Bikini
    suhlt sich gelangweilt die feiste Alte auf dem Sonnendeck.
  • untitled (2024)

    Wie die von einem Lufthauch

    sanfte Kräuselung eines Stückchens Wasseroberfläche

    touchiert

    dein Auftauchen mein Bewusstsein

    dringt kurz ein

    in Doppeldeutigkeit

    und zieht sich

    zurück ins Reich

    der phantastischen Gestalten

  • Sonnenvitamingott DIII (2023)

    Über unklem Eutschland
    schwob ein sonnengelber Dond
    an einer Angel im Himmel
    brühend zu glänzen dem
    Land der Gichtler und Gedenker
    Richter und Henker
    gülden glänzt er nährstoffreich
    Sonnenvitamingott DIII
    dem unterbelichteten eutschen
    Wesen
    welches genesen will
    noch ehe es sich des Mangels
    ganz gewahr
  • Altmark (2024)

    Wie die Bäumchen in die ordentlich
    bestellte Wiese
    am Wegesrand der Altmark
    in eine Reihe gekleckert sind
    aufgeräumte Natur
    größter autobahnfreier Bereich
    Deutschlands
  • Krähen (2023)

    Krähen in Aufruhr
    hinter einer bewegten Kulisse
    aus zigtausend Blättern
    es war schon einmal alles kahl bis auf das Rindenskelett
    es war ein leerer grauer Himmel
    als wäre nichts darin
    und nichts dahinter
    es war Winter in der Schreibenden
    und dem was sie beschreibt
    jetzt lebt und gedeiht wieder alles
    Bewegungen im Wind
    eine Weihe gleitet ganz tief
    über mir her bis zum nächsten Ast
    und ich gieße diesen Moment in eine länger währende Form
    um zurück kehren zu können;
    so wie ich es mit dir tue, wenn ich notiere
    dass ich immer noch daran denke
    wie die aschblonden Kamelhaare deiner dem Grund zuwinkenden Wimpern
    durch die graublaue Lagune deiner Augen kämmen
  • 03:59 Uhr

    Nights in White Satin
    Ohrwurm, 2 Tage nachdem ich den Song
    beim Spazierengehen noch vor dem
    Refrain geskippt habe-
    die Glühbirne, 60 Watt, ist viel zu
    hell
    um nachts anzuknipsen und zu schreiben
    die Bahn hat zweimal abgebucht
    für Februar und März
    noch 88.-€ für den Rest des Monats
    Ich muss Barbaras Wände streichen
    und Platten verkaufen
    die Gruppe hat Gift in meine Seele
    gespritzt, um meine selbstgewählten
    zu ersetzen
    ständig tauchen ihre Dogmen
    ungefragt in meinem Gedächtnis auf
    ich liebe diesen Ohrwurm nicht
  • Lichtschein (2017)

    Ein wenig eingeknuspert
    zeitlos
    und raumeinnehmend.
    Kausalität glimmt warm oben an der Stirrn.
    Strahlt.
    Zweifel knistert, fräßt, nagt.
    Wonne deckt, schmeichelt, flauscht.
    Wut rennt, schnaubt, stößt.
    Hoffnung haucht, scheint, zirkuliert.
    Angst zwickt, blitzt, zuckt.
    Trauer tropft, hängt, bauscht.
    Lust dampft, spuckt, reißt.
    Sehnsucht zieht, oszilliert, spielt.
    Hass verdunkelt, pocht, traktiert.
    Macht glänzt, fordert, herrscht.
    Wahrheit atmet, spektriert, ballert.